1. An meinen ersten Urlaub, an den ich mich noch ganz entfernt erinnern kann war mit 4 Jahren an der Ostsee am Schönberger Strand. Damals habe ich dort schwimmen gelernt weil meine Schwimmflügel kaputt gegangen sind und ich immer schon eine Wasserratte war und unbedingt ins Wasser wollte. Auch habe ich noch eine vage Erinnerung an die Pension wo wir waren, weil dort gab es eine Katze und die war das Highlight für mich. Ebenso habe ich komischerweise immer noch den Geruch von dort in der Nase, so nach Meerluft und geräucherten und gebratenen Fisch von der Strandpromenade.
2. Die Jahre nach meinem 6. Geburtstag waren für uns als Familie nicht einfach. Mein Papa hatte mit 34 Jahren einen Schlaganfall und war von da an rechtsseitig gelähmt. So verbrachte ich als Kind die meiste Zeit meiner Ferien bei meiner Oma, Tante und Cousine auf dem Bauernhof wo mein Papa herstammte in Abterode bei Eschwege in Hessen.
3. Meine Paten nahmen mich mit 9 Jahren zum ersten Mal mit nach Gnadenwald in Tirol, wo wir auf einem Bauernhof untergebracht waren. Es war toll, die hatten für die Kinder schon einen Pool gemauert, allerdings war der tiefer als breit und eiskalt. Die Nichte der Gastfamilie kam in den Ferien aus Hall und so hatte ich eine Spielgefährtin, wir haben uns dort richtig austoben können.Wir bekamen ein eigenes kleines Zimmer mit megadicken Matratzen, wo man richtig raufsteigen musste und kleinen Fenstern, die in Richtung der Obstwiesen hinter dem Haus lagen. Angeschaut wurden das Rundgemälde von Andreas Hofer ebenso das Goldene Dachl in Innsbruck, weil ein wenig Kultur musste auch mit 9 Jahren schon sein.

4. Mein nächster Urlaub mit meinen Paten war dann zwei Jahre später in Garmisch-Partenkirchen. Auch hieran habe ich schöne Erinnerungen. Wir waren damals auf der Zugspitze, auf dem Wank und im Alpenzoo. Besonders gut kann ich mich noch an die freilaufenden Kühe auf einer Almwiese erinnern, die mir einen ordentlichen Schrecken eingeflößt haben.
5. Meinen ersten Auslandsurlaub (ok, Österreich vorher war auch Ausland) verbrachte ich mit etwa 14 Jahren 1976, inzwischen war meine kleine Schwester (Jahrgang 71) auch geboren, in Holland in Scheveningen. Dort hatten wir eine Ferienwohnung und sind jeden Tag gefühlte 10 km zum Strand gelaufen. Dort gab es das erste blaue Eis, so was gab es in der BRD damals noch nicht.
6. Mit 15 Jahren bekam ich mein Mofa, die Freiheit auf 2 Rädern, eine Tourismo Rixe, gebraucht, frisiert auf 50 KMH, in rot mit Doppelauspuff. Die Eltern meiner besten Freundin hatten einen Wohnwagen am Hennesee, ca. 60 km von uns daheim entfernt und wir durften dort ganze 2 Wochen alleine Urlaub machen. Gut, am Wochenende kamen ihre Eltern um nach dem Rechten zu schauen, aber sonst waren wir unter der Woche allein und es war toll. Mit dem Mofa sind wir dorthin gefahren und wir fühlten uns wie "Easy Rider", jung, wild und frei.
7. 1978 war es dann endlich soweit. Wir fuhren mit einem Busunternehmen, die ganze Familie, nach Cambrils an die Costa Dorada nach Spanien, zum ersten Mal in ein richtiges Hotel (Hotel Tropicana). Mein Gott, welch ein Urlaub. 2 Tage hin und wieder 2 Tage zurück mit Zwischenstopp in Frankreich und über die Pyrenäen auf der Hinreise, weil die Grenze nach Spanien von Frankreich aus geschlossen war. Meine Mama hatte so Angst, das wir nie heil in Spanien ankommen würden bei den Straßenverhältnissen dort. Ich hör sie heute noch sagen "Wenn wir hier abstürzen, sind wir wenigstens alle Beisammen". Der Urlaub war Klasse und ich so ziemlich das erste Mal verliebt in Camilo Martin Rapp, einen feschen Spanier, der dort im Hotel arbeitete. Ich verbrachte jede freie Minute mit ihm und lernte so das Land nicht als Tourist sondern mit einem Einheimischen kennen (Danke Mama und Papa für Euer Vertrauen und dass ihr mich habt lassen machen).
8. Im darauf folgenden Jahr durfte ich mit zwei Freundinnen an die Ostsee nach Burg auf Fehmarn, damals war ich 17 Jahre (ich denke heutzutage gibt es da Gesetze, die verbieten, Minderjährige alleine reisen zu lassen), auch mit dem Bus. Dort wohnten wir bei einer lieben älteren Frau in einem Privatzimmer mit Frühstück, hatten Fahrräder geliehen und machten die Halbinsel unsicher.

9. 1981 (da war ich 19) und meine Paten luden meine kleine Schwester und mich nach Esens Bensersiel an die Nordsee ein. Zum ersten Mal am Wattenmeer, was ganz Neues und Mist, über Tag war immer das Wasser weg wo ich doch so eine Wasserratte war und bin. Ich hatte seit einem Jahr den Führerschein und durfte das Auto meiner Paten fahren, wie geil, einen Golf. Ich hatte zwar inzwischen auch schon von Papa einen alten Käfer, Baujahr 1967 bekommen (knallrot wie ein Feuerwehrauto lackiert mit weißen Stoßstangen) aber so ein neuer Golf war doch eine ganz andere Hausnummer. Die Zwei freuten sich, so hatten sie einen Chauffeur wenn wir abends zum Essen aus waren, sie auch mal ein Bierchen trinken konnten und wurden von mir zum Zimmer gebracht.
10. Inzwischen war ich fertig mit dem Abi, wollte eigentlich Sozialarbeit studieren aber wegen geburtenstarken Jahrgangs und nicht so dolle Abinote (2,8) erstmal auf die Warteliste. Also was machen. Ich wollte meinen Eltern, die mir als Erste sozusagen in der ganzen Familie einen höheren Schulabschluss ermöglichten nicht länger auf der Tasche liegen. So bin ich im Herbst 1982 als Zimmermädchen nach Rottach-Egern ins Seehotel Überfahrt gegangen. Raus in die weite Welt, München gesehen und am Tegernsee gelebt und gearbeitet. Im Frühjahr 1983 bin ich dann wieder heim und habe nochmal eine Saison in Grömitz an der Ostsee gemacht (im Oktober hätte ich dann einen Studienplatz in Dortmund gehabt). Irgendwie hat mich damals die Gastronomie aber fasziniert und ich habe dort meinen Mann kennengelernt und aus einer Saison wurden drei Jahre in Grömitz. Im Winter haben wir in Neuhaus im Solling gelebt und zu Karneval (hier sagt man Fasnacht) sind wir nach Köln zum Arbeiten in den "Gürzenich". Urlaub war halt das Leben an der Ostsee, wenn auch mit Arbeit verbunden. Heute sieht es dort inzwischen so aus.
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| Seehotel Überfahrt |

12. 1989 im November war meine erste und bisher letzte Flugreise, es ging 3 Wochen nach Tunesien nach Sousse. Im Fernsehen dort sahen wir die Maueröffnung, unbegreiflich, wir in einem fremden Land und in Deutschland begann eine neue Ära.


14. 1999 verstarb mein Papa und so wurde es zum Ritual, dass wir einmal im Jahr eine Woche Urlaub mit meiner Mama verbrachten. Meistens irgendwo in Deutschland in einer Ferienwohnung. 2010 verstarb dann mein Mann bei einem unserer gemeinsamen Touren an den Rhein an einem plötzlichen Herztod. Ich war damals froh, dass meine Mama gerade bei diesem Urlaub dabei war.

So, liebe Astrid und alle anderen Leser, die bis hierhin durchgehalten haben, jetzt habt ihr so einiges über meine Urlaube und gleichzeitig auch über mein Leben erfahren.
Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer - (Urlaub), egal wohin es Euch führt.
Alles Liebe, Burgi


Sooo viel Urlaub, liebe Burgi, staun!
AntwortenLöschenUnd Ferienwohnungen müssen toll sein (gegenüber den winzigen Löchern, die uns damals hier vermietet wurden, aber dafür warn sie billig, um 6,50 pro Nacht), ich könnte mir vorstellen, dasz es ein ganz andres Urlaubsgefühl ist, wenn man da sogar eine Art "Zuhause" hat während der Zeit, statt nur einen unwirtlichen Schlafplatz. Gastronomie hat mich selbst so nie gereizt - überlegt hatte ich das irgendwann auch schon, dasz es eine Möglichkeit wäre, etwas kennen zu lernen. Aber dann fehlte mir nach Grenzöffnung einfach die Ausbildung dafür...
Ein Mofa hätte ich auch gerne gehabt, so ein Stück Freiheit, oder gar ein Auto, aber daran war in der DDR nicht so leicht heranzukommen. Dafür trampten ganz viele Jugendliche, das war damals längst nicht so gefährlich und irgendwie war es innerhalb der DDR eine viel "harmlosere" Welt - naja, ich schweife ab. Und wir hatten nur 18 Tage Urlaub, davon muszten 3 auch noch Samstage sein, real also nur 15 Arbeitstage Urlaub pro Jahr.
Erinnerung an meinen ersten Urlaub ist übrigens auch eine Katze (die auf der übriggebliebenen Aalpelle herumkaute) und ein kleines dünnes Ferkelchen, das mir immer hinterherlief...
So viel Urlaub, so viel gesehn. Schön, wer das haben kann! Aber ich denke, auch mit weniger geht glücklich und reich sein, die Dinge um uns herum zu betrachten geht überall, auch daheim.
Die Insel Mainau wäre auch mein Traum und dann musz es da noch eine Rosenau geben, wo ein Kloster war, stimmts? Ich las mal von einem Abt, der dort gärtnerte... - Von Geographie hab ich ja so gar keine Ahnung, dieses Fach wurde mir in der Schule durch einen ganz fiesen Lehrer verleidet und vom "Westen" wurde eingentlich nur Garmisch-Partenkirchen mal erwähnt. Der Rest blieb Niemandsland.
Dann wünsche ich Dir jetzt einen schönen erlebnisreichen Urlaub, der auch genug Zeit läszt, die Dinge genau zu betrachten (fand ich manchmal schwierig auf Reisen) und Bilder, Gerüche, Lufthauch und Klänge in der Seele zu speichern und nicht nur als digitale Foto-Dateien-
Liebe Grüsze
Mascha
Gelesen habe ich deinen schönen, aufschlussreichen Beitrag schon längst, liebe Burgi, nur zum Kommentieren bin ich bisher nicht gekommen....
AntwortenLöschenWenn ich am See wohnen würde, würde mir die Lust an Sommerreisen auch vergehen. Ich denke gerne an unsere Somnerurlaube dort zurück, auch wenn das Wetter oft sehr überraschend war....
Danke fürs Mitmachen ich ne einen schönen Sonntag!
Astrid
So viele unterschiedliche Stationen im Urlaub und im Leben! Sehr interessant Ihr Beitrag.
AntwortenLöschenDer Bodensee ist immer wunderschön und wir waren schon oft dort. Ihn als Wohnort zu wählen, war sicher eine gute Wahl. Diesen September sind wir zum ersten Mal einige Tage in Konstanz direkt in der Altstadt in einer Ferienwohnung und werden mit den Rädern auch mal die Schweizer Seite erkunden.
Ich habe ja auch einen kleinen Post über den See reingestellt und mich sehr gefreut Ihren dort zu finden.
Herzliche Grüße aus Nürnberg sendet Ihnen Sieglinde Graf
Das war ja richtig interessant zu lesen! Danke für so viel Mühe beim Schreiben, sogar noch mit passend recherchierten Bildern.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Anneliese